Software as a Service: Versuch einer Definition

Einführung

Der Begriff Software as a Service (SaaS) hat in den letzten Monaten und Jahren viel Aufmerksamkeit erlangt. Anschaulich wird dies anhand des Diagramms in Abbildung 1.

Abbildung 1: Entwicklung des Google Search-Volume-Index für den Begriff "Software as a Service" (Quelle: Google Trends)



Dieses zeigt, wie sich die Anzahl der Suchanfragen nach „Software as a Service“ (inklusive der Anführungszeichen) bei Google seit dem Jahr 2004 entwickelt hat. Die Daten wurden mittels der Software Google Trends [1] ermittelt. Es ist dabei wichtig, zu betonen, dass das Diagramm nur die Entwicklung des Interesses an SaaS aufzeigen soll und nicht den Anspruch erhebt, genaue und quantifizierbare Daten zu liefern.

Software as a Service ist aktuell ein wachstumsstarker Markt. So prognostizierte das Marktforschungsunternehmen Gartner für das Jahr 2009 ein Umsatzwachstum von knapp 22 Prozent [2]. Außerdem werden laut Gartner bis zum Jahr 2011 25 Prozent der neu installierten Unternehmensanwendungen als SaaS betrieben werden [3].

Oft ist es jedoch schon geschehen, dass sich hochgelobte neue Entwicklungen in der IT-Branche als nicht so praxistauglich erwiesen haben, wie gedacht (z.B. service-orientierte Architekturen, kurz SOA). Deshalb wird es sich erst in der Zukunft zeigen, ob diese Zahlen die wahre Bedeutung von SaaS voraussagen, oder ob es sich dabei nur um das Werk pfiffiger Marketingabteilungen handelt.

Definition

Software as a Service ist ein Distributionsmodell für Software. Im Unterschied zum Modell bei klassischer Software, die beim Anwender auf einem Computer installiert wird, kauft der Anwender dabei keine Lizenz, sondern bezieht die Software vielmehr als Dienstleistung (engl. „Service“) über das Internet. Es erfolgt keine Übergabe eines Datenträgers und auch kein Download des Programmcodes. Das Programm kann somit auf Kundenseite nicht installiert werden, was aber auch nicht nötig ist. Meist erfolgt der Zugriff auf die Software über eine Weboberfläche, die in einem Internetbrowser dargestellt wird [4]. Doch auch der Zugriff über andere Wege, wie z.B. Webservices, ist in der Praxis anzutreffen.

Bei der so gemieteten Software handelt es sich immer um Standardsoftware. Das heißt, dass die Software nicht speziell für einen Kunden programmiert, sondern in gleicher Form für mehrere Kunden eingesetzt wird. Meist lässt sich Standardsoftware jedoch bis zu einem bestimmten Grad über Parameter an die Bedürfnisse des einzelnen Kunden anpassen [5].

Für Individualsoftware wäre das Geschäftsmodell SaaS nicht wirtschaftlich, weil die Entwicklungskosten bei SaaS über die Masse an Kunden gedeckt werden.

Software, die im SaaS-Modell betrieben wird, ist mandantenfähig. Das bedeutet, dass sich mehrere Mandanten (d.h. meistens mehrere Kunden) ein System teilen. Die interne Datenhaltung erfolgt jedoch strikt nach Mandanten getrennt, sodass kein Mandant Zugriff auf die Daten anderer Mandanten hat [6].

Gelegentlich wird auch das Vermieten von Terminalserver-Sitzungen über das Internet als SaaS bezeichnet [7].

Das Gegenteil von SaaS – also der Betrieb und die Betreuung eines Anwendungssystems direkt beim Anwender – wird als „on-site“-Betrieb oder „on-site“-Modell bezeichnet.

Vorteile

Als größter Vorteil von SaaS wird oft die Wirtschaftlichkeit genannt. Dies hat vor allem zwei Gründe.

Je nach gegebenen Umständen lassen sich Kosten einsparen. Dies ist dadurch möglich, dass auf Kundenseite kein Personal für die Installation, Wartung und Update der Software nötig ist, da dies vom Dienstleister übernommen wird. Auch die ansonsten für den Betrieb nötige Infrastruktur – wie z.B. Server, Switches oder sonstige Netzwerktechnik – wird nicht benötigt, da die gesamte Software auf den Systemen des Anbieters läuft [8].

Lediglich die Computer zur Darstellung der Oberfläche des genutzten Programms müssen noch verwaltet werden. Da diese Computer oft nur die Darstellung der vom Server geschickten Daten übernehmen, benötigen sie meist nur relativ wenig Rechenleistung (sogenannte Thin Clients [9]). Auch dadurch können wiederum Kosten reduziert werden, denn weniger leistungsfähige Hardware ist für gewöhnlich günstiger in der Anschaffung und benötigt normalerweise auch weniger Strom.

Außerdem muss der Leistungsempfänger kein Personal für die Administration der Software schulen, weil er dazu kein „Know-How“ benötigt. Lediglich das Wissen zur Bedienung der Software muss vorhanden sein, was aber auch bei klassischer Software der Fall ist.

Weiterhin können SaaS-Lösungen für den Kunden günstiger sein, da der Anbieter aufgrund seiner Konzentration auf sein Kerngeschäft und der Konsolidierung vieler Systeme auf einer Plattform Skaleneffekte (economies of scale) erzielen und diesen Preisvorteil an seine Kunden weitergeben kann [10].

Neben den monetären Einsparungen ist der zweite Grund der Wirtschaftlichkeit von SaaS-Lösungen deren bessere Kalkulierbarkeit. Meist sind die Kosten einer solchen Lösung über einen bestimmten Zeitraum fix oder ergeben sich nach abgewickeltem Volumen (z.B. im EDI-Bereich). Da diese Zahlen meist relativ konstant, zumindest aber abschätzbar sind, sind die Kosten keinen allzu großen Schwankungen unterworfen [11]. Im Gegensatz dazu können beim Betrieb der Software auf Kundenseite enorme unerwartete bzw. unkalkulierbare Kosten entstehen. So kann z.B. Hardware kaputt gehen oder sie veraltet und muss ersetzt werden. Außerdem kann auch ein Teil des Personals ausfallen, sodass es eventuell durch externe Kräfte verstärkt werden muss. All diese Risiken sind von SaaS-Anbietern abgedeckt und entsprechend in den Kosten einkalkuliert.

Diese Risikoabdeckung ist ein weiterer Vorteil von SaaS. Der Vertrag, der zwischen Dienstleister und Kunde geschlossen wird (Service Level Agreement, SLA), enthält üblicherweise Regelungen, welche Leistungen der Anbieter erbringen muss und wer in welchem Rahmen im Fehlerfall haftet [12]. Ein solcher Fehlerfall kann z.B. der Ausfall eines Systems oder eine Fehlfunktion der Software sein, die beispielsweise einen Datenverlust zur Folge hat.

Ein weiterer Vorteil ist die Benutzbarkeit der Software von quasi jedem Computer mit Internetanschluss [13], da die Bedienung meistens über einen Internetbrowser erfolgt. Dadurch können beispielsweise Außendienstmitarbeiter über ein internetfähiges Notebook auf ein Customer Relationship Management-System (CRM) zugreifen und Notizen zu Kundengesprächen direkt im System erfassen. Die Daten stehen dadurch unmittelbar zur Verfügung und müssen nicht erst zu einem späteren Zeitpunkt eingegeben oder synchronisiert werden. Außerdem ist die Gefahr des kompletten Datenverlustes beim Defekt oder Verlust des Notebooks gebannt.

Nachteile

Probleme ergeben sich bei SaaS beispielsweise dann, wenn ein Unternehmen von einem bereits bestehenden System, das es selbst betreibt, auf eine SaaS-Lösung wechseln möchte. Der meist umfangreiche Datenbestand muss dann in das neue System importiert werden. Dies kann sich in der Praxis jedoch als problematisch erweisen, da viele Anwendungssysteme Eigenentwicklungen sind und deshalb oft proprietäre Datenformate verwenden. Für solche Systeme muss eine individuelle Lösung für die Migration der Daten gefunden werden. Dies kann sehr aufwändig und damit auch kostenintensiv sein. Führt ein Unternehmen ein System neu ein und hat es deshalb keinen Anfangsbestand an Daten, besteht dieses Problem natürlich nicht.

Oft ist eine Interaktion zwischen verschiedenen Systemen eines Unternehmens nötig. Hat der Kunde vollen Zugriff auf die Systeme, bieten sich ihm viele Möglichkeiten, Daten zwischen ihnen auszutauschen. So kann er beispielsweise Dateien über eine Netzwerkfreigabe oder via FTP austauschen, die das Zielsystem dann verarbeiten kann. Bei SaaS ist dies meist nicht möglich. Die meisten Anbieter versuchen hier, durch Webservices Abhilfe zu schaffen [14]. Dies setzt jedoch voraus, dass alle beteiligten Systeme mit dieser Technologie umgehen können, was nicht immer der Fall ist.

Ein weiterer Nachteil des SaaS-Modells ist der Kontrollverlust des Kunden. Er legt meistens wichtige und geschäftskritische Prozesse in die Hände des Anbieters und ist somit stark von ihm abhängig [15]. Zwar haftet normalerweise der Anbieter bei Ausfällen oder sonstigen Schäden, doch dadurch kann beispielsweise der Verlust an Ansehen oder Seriosität des SaaS-Konsumenten gegenüber seinen eigenen Kunden nicht immer ausgeglichen werden. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass der Anbieter seine Dienstleistung einstellt, beispielsweise weil das Unternehmen insolvent ist. Der Leistungsempfänger muss dann eine neue Lösung zum Betrieb seines Systems finden. Natürlich ist dies kosten- und zeitintensiv.

Außerdem entsteht durch die Nutzung der Software über das Internet ein Single Point of Failure. Fällt die Internetverbindung aus, kann die Software nicht genutzt werden. Man ist dann vom jeweiligen Telekommunikationsunternehmen abhängig. Zwar kann die Internetverbindung redundant ausgelegt werden, doch ist das für viele kleine und mittlere Unternehmen nicht wirtschaftlich.
Betreibt man die Software dagegen auf einem Server im eigenen lokalen Netzwerk, kann sich das Personal sofort eines auftretenden Problems annehmen. Eine Abhängigkeit von externen Unternehmen ist dann nicht vorhanden.

Zum Problem des Kontrollverlustes kommt auch das Problem des Datenschutzes. Die sensiblen Daten liegen auf einem Server im Internet, der zumindest theoretisch für alle Internetnutzer zugänglich ist. Bei einer Kompromittierung des Servers hat ein Angreifer Zugriff auf die Daten [16]. Zwar werden diese meist verschlüsselt gespeichert, doch ist es nicht auszuschließen, dass der Angreifer auch in den Besitz des Schlüssels gelangen kann. Auch der Missbrauch von Daten durch Mitarbeiter des SaaS-Anbieters kann nicht ausgeschlossen werden. Wird das System dagegen „on-site“ betrieben, sind weitaus stärkere Restriktionen des Zugriffs möglich. Oft ist ein direkter Zugriff aus dem Internet heraus in diesem Falle gar nicht nötig.

Preismodelle

Für SaaS haben sich drei Preismodelle etabliert.

Eine Möglichkeit ist es, dem Kunden einen Fixbetrag in Rechnung zu stellen. Dies kann z.B. monatlich, viertel- oder halbjährlich geschehen. Meist richtet er sich danach, wieviele Benutzer Zugriff auf das System haben sollen.

Außerdem ist es möglich, auf Basis der Nutzungsintensität (z.B. Transfervolumen, Anzahl verschickter Belege, etc.) abzurechnen.

Beim dritten Modell ist die Nutzung der Software für den Benutzer kostenlos, es wird jedoch Werbung eingeblendet, die dem Betreiber Einnahmen verschafft. Dieses Modell hat sich vor allem im Privatkundenbereich durchgesetzt. Beispiele sind die Google-Suche oder GoogleDocs.

Auch Kombinationen der obigen Preismodelle sind möglich.

Quellen

[1] Google Trends

[2] Gartner, Inc. (2009): Gartner says Worldwide SaaS Revenue to Grow 22 Percent in 2009

[3] Gartner, Inc. (2006): Gartner Says 25 Percent of New Business Software Will Be Delivered As Software As A Service by 2011

[4] Meyer, O. (2008): Aktuelle vertrags- und urheberrechtliche Aspekte der Erstellung, des Vertriebs und der Nutzung von Software, S. 207

[5] Kittlaus, H.; Clough, P (2009): Software Product Management and Pricing: Key Success Factors for Software Organizations, S. 21

[6] Dunkel, J.; Eberhart, A.; Fischer, S.; Kleiner, C.; Koschel, A. (2008): Systemarchitekturen für verteilte Anwendungen. Client-Server, Multi-Tier, SOA, Event Driven Architecture, P2P, Grid, Web 2.0, S. 266

[7] Rodstein, R (2007): Securing Microsoft Terminal Services, S. 103

[8] Buxmann, P. (2008): Software as a Service

[9] Johnson, B.; Hackett, M.; Nguyen, H. Q.: Testing Applications on the Web, S. 113 ff.

[10] Shuen, A.; St. Laurent, S. (Hrsg.); Romano, R. (Illustr.) (2008): Web 2.0: A Strategy Guide: Business thinking and strategies behind successful Web 2.0 implementations, S. 114

[11] Evans, N. D.; Marinello, C. (2002): Business Innovation and Disruptive Technology: Harnessing the Power of Breakthrough Technology…for Competitive Advantage, S. 15

[12] Landy, G. K. (2008): The IT/Digital Legal Companion: A Comprehensive Business Guide to Software, Internet, and IP Law, S. 371 ff.

[13] Wiehler, G. (2004): Mobility, Security and Web Services: Technologies and Service-oriented Architectures for a New Era of IT Solutions, S. 89

[14] Papazoglou, M. P. (2007): Web Services: Principles and Technology, S. 9

[15] Fernandez-Ramil, J.; Hall, P. (2007): Managing the Software Enterprise: Software Engineering and Information Systems in Context, S. 151

[16] Newman, A.; Thomas, J. (2008): Enterprise 2.0 Implementation: Integrate Web 2.0 Services into Your Enterprise, S. 65 f.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen leicht abgeänderten Auszug aus einer Projektarbeit, die ich im Rahmen meines Studiums angefertigt habe.