Wissen für Besserwisser: Die Magdeburger Hochzeit

Anders als der Titel vermuten lässt handelt es sich bei der Magdeburger Hochzeit um wahrlich kein freudiges Ereignis. Der Begriff bezeichnet die Zerstörung und Plünderung der Stadt vom 20.05.1631. Doch wie kam es dazu? Und woher stammt diese sarkastische Bezeichnung?

Die Magdeburger Hochzeit auf einem Kupferstich von Matthäus Merian

Die Magdeburger Hochzeit auf einem Kupferstich von Matthäus Merian

Das Datum der Magdeburger Hochzeit fällt mitten hinein in den dreißigjährigen Krieg. Dieser begann am 23.05.1618 mit dem zweiten Prager Fenstersturz und endete am 24.10.1648 mit dem westfälischen Frieden. Hauptkontrahenten waren die katholische Liga und die protestantische Union.
Magdeburg hatte sich bereits 1524 zur Reformation bekannt und war dadurch protestantisch geworden. Im Zuge des dreißigjährigen Krieges wurde es ab März 1631 von ca. 28.000 Soldaten der katholischen Liga belagert. Diese wurden von Johann t’Serclaes von Tilly und Gottfried Heinrich zu Pappenheim befehligt. Tilly forderte die Stadt auf, zu kapitulieren, doch der Rat konnte sich zu keiner Entscheidung durchringen. Also wurde Magdeburg am Morgen des 20.05. sturmreif geschossen und im weiteren Verlauf des Tages eingenommen. Dabei kam es zu Massenvergewaltigungen und fürchterlichen Massakern an der Zivilbevölkerung. Schließlich wurde die Stadt niedergebrannt.
Insgesamt kamen etwa 20.000 Zivilisten ums Leben, was ungefähr zwei Dritteln der damaligen Einwohner entsprach [1]. Die Magdeburger Hochzeit gilt als das schlimmste Massaker des dreißigjährigen Krieges. Der Begriff des „Magdeburgisieren“ wurde zum Synonym für völlige Zerstörung und Auslöschung.

Die Bezeichnung des Ereignisses als „Hochzeit“ kommt daher, dass sich auf dem Wappen der Stadt eine Jungfrau befindet. Es sollte ausgedrückt werden, dass die störrische (protestantische) Jungfrau nun mit dem (katholischen) Kaiser vermählt worden war.

Quellen und weiterführende Informationen

[1] Berens, P. (2007/2008): Die Macht der Sensation, in: Geo Epoche – Der Dreissigjährige Krieg, S. 56