Das ARIS-Architekturmodell

Einführung

Das ARIS-Architekturmodell wurde von August-Wilhelm Scheer entwickelt und dient der Lösung eines betriebswirtschaftlichen Problems mit Hilfe von Informationssystemen. Die Abkürzung ARIS steht für „Architektur integrierter Informationssysteme“. Weitere Architekturmodelle sind z.B. das H-Modell für Handelsinformationssysteme nach Jörg Becker und Reinhard Schütte oder das Y-CIM-Modell für Industriebetriebe, das ebenfalls von August-Wilhelm Scheer entwickelt wurde. Im Gegensatz zu den beiden zuletzt genannten Modellen ist das ARIS-Architekturmodell branchenunabhängig.

ARIS-Architekturmodell

ARIS-Architekturmodell

Es ist untergliedert in vier Sichten: Organisationssicht, Datensicht, Funktionssicht und Steuerungssicht. Diese vier Sichten sind wiederum jeweils in die Ebenen Fachkonzept, DV-Konzept und Implementierung unterteilt. In der genannten Reihenfolge nimmt die Nähe der Ebenen zur Informationstechnik zu. Im Folgenden werden nun die vier Sichten und ihre jeweils drei Ebenen genauer erläutert.

Organisationssicht

Diese Sicht betrachtet die Aufbauorganisation des Unternehmens. Auf der Fachkonzept-Ebene werden dafür Organigramme eingesetzt. Diese enthalten u.A. Stellen, Organisationseinheiten und Standorte. Das DV-Konzept beschreibt die Strukturen der betrieblichen Kommunikation. Die für die Kommunikation nötigen hardware- und softwaretechnischen Komponenten (wie z.B. eMail-Server) werden schließlich auf der Implementierungsebene festgelegt.

Datensicht

In dieser Sicht wird definiert, welche Daten für das Informationssystem benötigt werden. Sie werden in Entitäten, die Eigenschaften haben und miteinander in Beziehung stehen können, festgelegt. Auf der Fachkonzept-Ebene werden für die Modellierung der Daten semantische Datenmodelle – meistens ER-Diagramme – benutzt. Diese werden in der DV-Konzept-Ebene in Modelle für das jeweils verwendete Datenbanksystem umgesetzt. Für relationale Datenbanken sind dies z.B. Relationenmodelle oder für objektorientierte Datenbanken UML-Klassendiagramme. In der Implementierungsebene werden schließlich u.A. die Konzepte für die Datenhaltung und die Zugriffsrechte bestimmt.

Funktionssicht

Die Funktionssicht beschreibt die Funktionen des Informationssystems und deren Zusammenhänge. Diesen Funktionen können Einheiten aus der Organisationssicht zugeordnet werden, von denen sie ausgeführt werden. Funktionsbäume dienen auf der Fachkonzept-Ebene der Beschreibung der einzelnen Funktionen und ihrer Zusammenhänge. Für die Umsetzung in das DV-Konzept werden je nach verwendetem Programmierparadigma z.B. Programmablaufpläne, Struktogramme, UML-Zustands- oder Aktivitätsdiagramme eingesetzt. Auf der Implementierungsebene schließlich erfolgt die eigentliche Programmierung und die Bereitstellung der Funktionalität als Programmbibliotheken.

Steuerungssicht

In der Steuerungssicht werden die drei anderen Sichten aggregiert und orchestriert. Es kann hier beispielsweise festgelegt werden, welche Funktion durch welches Element der Organisationssicht ausgeführt wird und auf welche Daten die Funktion zugreift. In ARIS werden auf der Fachkonzept-Ebene der Steuerungssicht erweiterte ereignisgesteuerte Prozessketten (eEPKs) eingesetzt. Sie bestehen aus Ereignissen, Funktionen, Kontrollstrukturen und Schnittstellen zu den anderen drei Sichten des ARIS-Architekturmodells. Das DV-Konzept dieser Sicht enthält beispielsweise Angaben über die Verteiltheit von Datenbanken und anderen Komponenten des Systems sowie über Datenbank-Trigger. Auf der Implementierungsebene schließlich wird die Programmsteuerung – z.B. über Workflow-Engines – definiert [1].

Quellen

[1] Hansen, H. R.; Neumann, G. (2005): Wirtschaftsinformatik 1, S. 178 ff.