Wie fotografiert man Blitze?

Langsam aber sicher beginnt der Sommer und damit auch die Zeit der Gewitter. Die damit einhergehenden Blitze sind sehr interessante und elegante Fotomotive.

Das Einfangen eines Blitzes auf dem Chip (oder wahlweise auch dem Film) einer Kamera ist dabei gar nicht so schwer, wie man vielleicht denken mag. Denn man muss dazu mitnichten genau im richtigen Moment abdrücken. Natürlich wäre das auch gar nicht möglich, da die Blitze ja nur für Sekundenbruchteile aufzucken.

Der „Trick“ ist, die Kamera einfach auf eine relativ lange Belichtungszeit (einige Sekunden) zu stellen und zu hoffen, dass in der Zeit, während der Verschluss geöffnet ist, ein Blitz im gewählten Bildausschnitt auftaucht. Da man wie erwähnt einige Sekunden Belichtungszeit benötigt, ist das Fotografieren von Blitzen am einfachsten, wenn es draußen völlig dunkel ist. Belichtet man nämlich am Tag über eine längere Zeit, bekommt man schnell sehr helle Bilder, wodurch der Kontrast zwischen Blitz und Himmel nicht sonderlich hoch ist. Eventuell kann man sich hier durch Graufilter Abhilfe schaffen.

Benötigtes Equipment

Um Blitze komfortabel fotografieren zu können, benötigt man meiner Meinung nach folgende Ausrüstungsgegenstände:

– Spiegelreflexkamera

– Weitwinkelobjektiv

– Stativ

– arretierbarer Kabelfernauslöser

Sicherlich geht es auch ohne Stativ und Kabelfernauslöser und vielleicht sogar mit einer Kompaktkamera, aber ich denke, die besten Ergebnisse erzielt man mit der oben genannten Ausrüstung.

Objektiv

Setzt auf Eure Kamera ein recht weitwinkliges Objektiv, um einen großen Teil des Himmels einzufangen. Das führt zum einen zu sehr weitläufigen und mächtig wirkenden Bildern, zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit, einen Blitz auf den Chip zu bannen bei einer kleineren Brennweite höher. Außerdem ist die Gefahr geringer, dass ein Blitz abgeschnitten wird, weil er über den Bildausschnitt hinausgegangen ist. Durch die große Auflösung moderner Kamerachips ist auch das nachträgliche „Herausschneiden“ eines Blitzes kein Problem.

Das Objektiv müsst Ihr auf unendlich fokussieren. Dazu gibt es drei Möglichkeiten:

1) Das Objektiv besitzt am Fokusring eine Markierung, die angibt, in welcher Stellung auf unendlich fokussiert ist. Schaltet am Objektiv auf manuellen Fokus und dreht den Ring auf diese Markierung.

2) Ihr dreht den Fokusring im manuellen Fokus bis zum Anschlag (natürlich in die richtige Richtung) und dann ein ganz kleines Stückchen wieder zurück. Dieses „Stückchen“ ist ein Puffer, den die Hersteller einbauen, um keine Probleme mit dem Autofokus zu bekommen.

3) Ihr fokussiert mit dem Autofokus ein weit entferntes Objekt (je weiter, weg, desto besser). Das Objektiv wird dann automatisch auf „unendlich“ gestellt. Anschließend schaltet Ihr auf den manuellen Fokus, um diese Stellung beizubehalten.

Kamera

Die Blende solltet Ihr auf einen „mittleren“ Wert stellen, z.B. f/8 oder f/10. Die Belichtungszeit hängt von der Helligkeit der Umgebung ab. Ist es relativ hell, solltet Ihr kurze Belichtungszeiten einstellen (vielleicht vier Sekunden). Herrscht dagegen stockfinstere Nacht, sind auch Belichtungszeiten von 20 bis 30 Sekunden oder noch mehr kein Problem. Dadurch kann es auch passieren, dass mehrere Blitze auf einem Bild erscheinen. Je nachdem, ob das gewollt ist oder nicht, muss die Belichtungszeit angepasst werden. Also ISO-Wert stellt Ihr den kleinstmöglichen ein.

Außerdem sollte die Kamera auf Serienaufnahme gestellt werden.

Wichtig ist es auch, RAW als Aufzeichnungsformat zu wählen, da damit der Weißabgleich später am Computer vorgenommen werden kann.

Durchführung

Achtet darauf, dass die Akkus dem Kamera voll geladen sind, denn lange Belichtungszeiten benötigen auch entsprechend viel Energie.

Als Ort für die Durchführung bieten sich z.B. überdachte Balkone an. Eventuell kann man auch mit dem Auto aufs Feld fahren und durch die Fenster fotografieren, aber das könnte aufgrund der Regentropfen auf den Scheiben zu Problemen führen.

Setzt die Kamera auf ein Stativ und richtet sie in die Richtung aus, in der das Gewitter tobt (nicht vergessen, den Objektivdeckel abzunehmen). Man muss das Gewitter dabei etwas beobachten, um herauszufinden, in welche Richtung es zieht.

Schließt den Kabelfernauslöser an, löst aus und kontrolliert das Ergebnis. Falls Ihr noch keinen Blitz erwischt habt, versucht es weiter. Sobald der erste Blitz abgelichtet ist, schaut Ihr, ob alles korrekt ist (z.B. der Fokus und der Bildausschnitt).

Wenn alles passt, arretiert ihr den Auslöseknopf am Kabelfernauslöser. Die Kamera belichtet nun für die Dauer der eingestellten Zeit und macht danach – wegen der eingestellten Serienbildfunktion – gleich das nächste Bild. Man kann so theoretisch den gesamten Akku leer bzw. die ganze Speicherkarte voll fotografieren. Zwischendurch sollte man allerdings kontrollieren, ob noch alles in Ordnung ist und mit der Kamera auch dem Gewitter folgen.

Ergebnis

Ein geschossenes Bild könnte z.B. so aussehen. Es handelt sich dabei um meinen ersten Versuch. Leider habe ich dabei nicht im RAW-Format fotografiert, weshalb es schwierig war, den violett-Stich herauszubekommen. Außerdem ist auch der Bildausschnitt mit dem Haus und den Bäumen im Vordergrund nicht sonderlich gut gewählt. Alles Fehler, die es beim nächsten Mal zu verbessern gilt.

Die Aufnahmedaten des Bildes:

Kamera: Canon EOS 50D

Objektiv: Tamron 17 – 50 mm f/2.8

Brennweite: 22 mm

Blende: f/10

Belichtungszeit: 36 Sekunden

ISO: 100

Falls es am Anfang nicht sofort klappt, nicht verzagen! Es ist immer sehr viel Ausschuss dabei.

Viel Spaß beim Gewitterjagen!