Wissen für Besserwisser: Von Dezimierung und Spießrutenlaufen

Die Wörter „Dezimierung“ und „Spießrutenlaufen“ sind den meisten Menschen wohl ein Begriff, woher sie stammen und was sie ursprünglich bedeuten, wissen viele aber vermutlich nicht. Beide Begriffe stammen aus dem Militärwesen und bezeichnen Strafen, die über ungehorsame oder feige Soldaten oder ganze Truppenteile verhängt wurden.

Die Dezimierung ist eine römische „Erfindung“. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort „decem“ ab, was „zehn“ bedeutet. Hatte sich eine Truppe als feige erwiesen oder war sie ungehorsam gewesen, so wurde ein Zehntel der Truppe per Los ausgewählt. Die ausgewählten Männer wurden dann durch ihre Kameraden hingerichtet. Die Bestrafung sollte dazu dienen, die Disziplin in der Truppe wiederherzustellen. Es scheint jedoch so, dass die Dezimierung nur sehr selten durchgeführt wurde [1] [2].

Ein Spießrutenlauf auf einer zeitgenössischen Zeichnung

Ein Spießrutenlauf auf einer zeitgenössischen Zeichnung

Das Spießrutenlaufen ist dagegen eine jüngere Version der Bestrafung. Sie entstammt den Landsknechtsheeren, die sich ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts in Europa als wichtige militärische Truppengattung etablierten. Anders als bei der Dezimierung wurde diese Strafe für gewöhnlich nicht über eine ganze Truppe, sondern über einzelne Soldaten verhängt.
Die Kameraden des Verurteilten bildeten eine Gasse, durch die dieser hindurchgehen musste. Währenddessen schlugen seine Kameraden mit Ruten auf ihn ein. Eigentlich war die Strafe nicht als Todesstrafe gedacht, sie konnte jedoch auch tödlich enden. [3]
Während der Durchführung der Strafe lief ein Unteroffizier vor dem Delinquenten her und bedrohte ihn mit einem Spieß. Dies sollte sicherstellen, dass der Verurteilte nicht zu schnell durch die Gasse schritt. Außerdem wurde von anderen Unteroffizieren darauf geachtet, dass seine Kameraden hart genug zuschlugen.
Das Spießrutenlaufen war keine Strafe, durch die der Verurteilte entehrt wurde. Vielmehr sollte sie dazu dienen, seine verlorene Ehre wiederherzustellen. [4]

Quellen und weiterführende Informationen

[1] Le Bohec, Y. (1993): Die römische Armee: Von Augustus zu Konstantin d. Gr., S. 66

[2] Lorenz, S. (2009): Die Rückeroberung des Westens, S. 5

[3] Steidele, A. (2004): In Männerkleidern, S. 57

[4] Glauche, W. (2004): Pro gloria et patria?, S. 54